Die Spiegelung des Dickdarms wird Koloskopie (griech. kolon = Darm, skopein = schauen) genannt. Mit einem Endoskop kann der Arzt das Innere des Darms nach Auffälligkeiten absuchen, Gewebeproben entnehmen und Polypen (Gewebewucherungen) abtragen. Das Endoskop (auch: Koloskop) ist ein biegsames und schlauchförmiges Instrument von ca. anderthalb Metern Länge und 10 Millimetern Durchmesser. Es enthält ein optisches System mit Lichtquelle und Kamera sowie Kanäle, durch die winzige Zusatzinstrumente geführt werden können. Mithilfe der Kamera werden die Aufnahmen aus dem Darminneren auf einen Farbmonitor übertragen

Die Darmspiegelung ist für die Diagnose vieler Krankheitsbilder die wichtigste Methode:

Gründe für die Untersuchung

Zahlreiche Symptome sind Gründe für eine Darmspiegelung:

Auch asymptomatische Patienten sollten durch eine Darmspiegelung untersucht werden:

  • Darmkrebsvorsorge ab dem 56. Lebensjahr (alle 10 Jahre), bei familiären Vorerkrankungen auch früher und häufiger
  • Darmkrebsnachsorge (meistens alle 3 Jahre)
  • Nachsorge nach Polypen-Entfernung (meistens alle 3-5 Jahre)

Nicht nur für die Früherkennung und Diagnose von Darmkrebs, sondern auch für dessen Vorbeugungist die Koloskopie geeignet. Denn während der Untersuchung können unkompliziert Polypen entfernt werden, die Vorstufen bösartiger Entartungen sein können.

Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken liegt statistisch gesehen bei rund 6 %. Beim familiären Risiko verdoppelt oder verdreifacht sich das Erkrankungsrisiko, beim Auftreten des Tumors vor dem 60. Lebensjahr verdreifacht bis vervierfacht sich das Risiko zusätzlich. Man vermutet, dass bei jedem dritten Darmkrebs-Patienten von einer familiären Vorbelastung ausgegangen werden kann. Die Darmspiegelung rettet also Leben, weil durch sie bereits Vorstufen von Krebs rechtzeitig erkannt und entfernt werden können, bevor sie entarten und lebensbedrohlich werden. Je früher der Krebs und seine Vorstufen entdeckt werden, desto besser sind die Heilungschancen. Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebsart und die zweithäufige krebsbedingte Todesursache.

Vorbereitung der Darmspiegelung

Damit die Untersuchung erfolgreich durchgeführt werden kann, muss der Darm vorher gereinigt werden. Wenn Ihr Untersuchungstermin mehrere Tage in der Zukunft liegt, sollte die Vorbereitung ca. drei Tage davor beginnen. Zuhause besteht sie aus dem Verzicht auf Körner und Samen, z.B. Müsli, Vollkornbrot und Obstkerne. Der Grund: sie können im Darm aufquellen und die Sicht behindern oder sich in Ausstülpungen festsetzen. Am Tag vor der Darmspiegelung sollte ab dem Mittagessen nur noch Leichtverdauliches ohne Ballaststoffe verzehrt werden wie Brei oder Joghurt. Das eigentliche Abführen beginnt in der Regel am Nachmittag vor dem Untersuchungstermin. Ab diesem Zeitpunkt sollte auch auf Cola, Kaffee und Tee verzichtet werden, da sie die Darmwand einfärben können. Für die eigentliche Darmreinigung erhalten Sie von uns im Vorfeld ein geeignetes Abführmittel und werden über die richtige Einnahme gründlich aufgeklärt.

Das Absetzen von Medikamenten, die z.B. Einfluss auf die Blutgerinnung haben (z.B. Aspirin), kann ebenfalls sinnvoll sein. Diese Mittel erhöhen die Gefahr von Blutungen während der Untersuchung. Diabetiker müssen ihre Insulindosis der „Fastenzeit“ am Tag vor der Untersuchung entsprechend anpassen. Bei Herz- und Nierenpatienten kann die stark erhöhte Trinkmenge für Beschwerden sorgen. Bitte teilen Sie uns daher rechtzeitig mit, welche Medikamente Sie regelmäßig einnehmen und unter welchen Vorerkrankungen Sie leiden. Wir finden eine Lösung!

Bei akuten Beschwerden kann in einigen Fällen auf vorbereitende Maßnahmen verzichtet werden. In diesem Fall wird Ihnen in der Praxis ein Einlauf verabreicht, damit eine teilweise Darmspiegelung durchgeführt werden kann.

Ablauf einer Darmspiegelung

Die Untersuchung dauert rund 20 Minuten. Zunächst nehmen Sie eine bequeme Links-Seitenlage ein, da sich in dieser Position der Darm in einer optimalen Lage befindet. Bevor das Endoskop zum Einsatz kommt, tastet der Arzt den Mastdarm mit den Fingern ab. Dann wird das Endoskop unter Verwendung eines Gleitgels durch den After bis zum Übergang in den Dünndarm eingeführt. Damit der Darm korrekt beurteilt werden kann, wird er dabei mittels Luft (bei Bedarf auch CO2) etwas aufgeblasen, wodurch er sich voll entfaltet. Anschließend wird das Endoskop langsam zurückgezogen, während der Arzt jeden Winkel der Darmschleimhaut betrachtet. Möglicherweise werden dabei Proben entnommen oder Polypen entdeckt, die noch in derselben Sitzung entfernt werden (Polypektomie). Dadurch kann sich die Untersuchungsdauer verlängern.

Während und nach der Untersuchung

Viele Menschen empfinden Unsicherheit in Bezug auf die Darmspiegelung. Für Ihren Arzt ist sie seit Jahrzehnten eine Standard-Untersuchung, die ebenso behutsam wie routiniert durchgeführt wird. Lassen Sie sich die Abläufe in unserer Praxis gerne im Vorfeld erläutern, damit Sie ohne Unwohlsein in die Untersuchung gehen können.

Während der Untersuchung wird der Darm „begradigt“, was notwendig ist, um die Darmspiegelung komplikationslos durchzuführen. Dies führt oft zu einem Druckgefühl und teilweise Schmerzen im Bauch, weswegen die Untersuchung in der Regel nach einer Beruhigungsspritze durchgeführt wird.

Nach Gabe der Beruhigungsspritze dürfen Sie weder Autofahren noch Maschinen bedienen. Am besten lassen Sie sich dann von jemandem abholen. Nach der Untersuchung können Sie sofort wieder essen oder trinken. Durch die Einleitung von Luft in den Darm kann ein Blähungsgefühl auftreten. Ebenso haben manche Patienten noch einige Tage nach der Darmspiegelung leichte Verdauungsbeschwerden als Nachwirkung des Abführmittels.

Risiken einer Darmspiegelung

Die Koloskopie ist eine sehr sichere und schonende Untersuchungsmethode. Nur in seltenen Fällen kommt es zu Verletzungen der Darmschleimhaut und Blutungen. Eine Perforation der Darmwand ist eine Ausnahme und tritt bei weniger als 10 von 10.000 Untersuchungen auf.

Kosten

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Darmspiegelung grundsätzlich bei Beschwerden. Dient die Untersuchung der Früherkennung, haben Versicherte folgende Ansprüche:

  • von 50-54 Jahren: jährlich (Stuhltest und Darmspiegelung bei auffälligem Befund)
  • ab 55 Jahren: alle zwei Jahre Stuhltest oder Darmspiegelung

Die Darmspiegelung kann zur Früherkennung zwei Mal in Anspruch genommen werden. Wenn die Krankenkasse auch die Kosten der 2. Untersuchung tragen soll, müssen zwischen 1. und 2. Untersuchung zehn Jahre liegen. Wird die 1. Untersuchung erst mit 65 oder später vorgenommen, besteht kein Anspruch auf die Kostenübernahme für eine 2. Darmspiegelung zur Früherkennung.